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Selbsthilfepreis für die SternenEltern 

Betroffene Eltern haben einen Gesprächskreis initiiert, später einen Verein gegründet, um sich nach Verlust eines Kindes gegenseitig zu helfen. Dafür gab es jetzt den neuen Selbsthilfepreis.
Von Carolin Merkel, Saarbrücker Zeitung

Große Freude herrschte am Samstagnachmittag bei Sandra Kern und ihren Mitstreitern vom Verein SternenEltern e.V. Saarland in Saarbrücken. Dort wurde der Verein als Preisträger des von den gesetzlichen Krankenkassen im Saarland initiierten Auszeichnung „Erster saarländischer Selbsthilfepreis“ ausgewählt und durfte sich über ein Preisgeld von 1000 Euro freuen.

Sandra Kern (links) und Rebecca Körner vom SternenEltern-Verein. 

„Wir sind unglaublich dankbar für die Aufmerksamkeit und Anerkennung unserer Arbeit, die nur ermöglicht wird durch das große Engagement aller helfenden Hände“, erklärt die Vorsitzende Kern. Gemeinsam mit einigen, zumeist selbst betroffenen Eltern, hat sie im Dezember 2017 den ersten Gesprächskreis initiiert, im Januar schließlich den Verein SternenEltern mit Sitz in Schwarzenholz gegründet. „Wir wollen die Situation in den Krankenhäusern verbessern, das Thema aus der Tabuzone holen“, erklärt sie in einem Gespräch die Intention des Vereins.

Kein Tabu mehr aus dem Verlust eines Kindes vor oder kurz nach der Geburt machen, dazu hat sich Kern ganz bewusst die MuKiBude, Zentrum für Mutter und Kind in Schwalbach als Treffpunkt für die gut besuchten Gesprächskreise ausgesucht. Dort, wo Schwangere und junge Mütter betreut werden, dort soll auch das Thema Fehl- oder Totgeburt nicht verschwiegen werden. „Das gehört zum Leben dazu. Wir haben keinen Moment überlegt, ob das Angebot eines Gesprächskreises für die SternenEltern in unser Konzept passt“, erklärt Melanie Lassotta vom Team der MuKiBude.

Sandra Kern betont, dass auch Mütter, die ihr Kind während der Schwangerschaft verloren haben, einen Anspruch auf eine Rückbildung haben, doch das würde kaum kommuniziert, ebenso stehe jeder Frau eine Hebamme zu. Auch der Umgang mit einem Kind, das tot geboren wird oder kurz nach der Geburt stirbt, sei nach wie vor schwierig in den Krankenhäusern. Hier sehen die Akteure des Vereins eine ihrer wichtigsten Aufgaben. „Wir haben ein Notfallteam, mit dem wir saarlandweit in die Krankenhäuser kommen und Erinnerungen für die Eltern sammeln“, erklärt Rebecca Körner. Die Eltern, erklärt sie, seien in der Situation meistens überfordert, „sie denken an alles, nur nicht daran, Erinnerungen aufzubewahren. Doch wenn man diesen Moment verpasst, dann ist es zu spät“, sagt sie.

Vieles ist beim Notfallteam möglich: Angefangen über Fotos bis hin zu 3D-Abdrücken von Händen und Füßen, wird eine Möglichkeit geschaffen, den Eltern Erinnerungen an ihr Kind zu bewahren. „Wir haben einen Kreativkreis, hier werden Armbänder gebastelt, die Mutter und Kind, aber auch Geschwister miteinander verbinden. Wir nähen Bekleidung und Decken, um eine würdige Bestattung zu ermöglichen“, erzählt sie.

Eine Bestattungspflicht besteht bei einem Gewicht ab 500 Gramm. „Doch wir werden schon ab der zwölften Schwangerschaftswoche aktiv“, betont Kern. Um von den SternenEltern in der schwierigen Lebenssituation unterstützt zu werden, genügt ein Klick auf den Notfall-Button auf der informativen Homepage des Vereins. „Wir appellieren auch an die Großeltern und Freunde, wenn die Eltern in diesem Moment überfordert sind, können auch sie Kontakt zu uns aufnehmen“, sagt Kern.

Bisher ist das Notfallteam, das aus zwölf Frauen besteht, seit der Gründung zu sieben Fällen gerufen worden. Der Verein zählt rund 30 Mitglieder, Kern wünscht sich mehr Unterstützung, auch bei der Vorstandsarbeit. Neben dem Notfallteam bietet SternenEltern auch Gesprächskreise an. „Man braucht oft nicht weit zu gehen und kennt jemanden, der ein Kind durch Früh- oder Fehlgeburt verloren hat. Das wird auch heute noch tabuisiert“, sagt sie. Zudem arbeitet SternenEltern mit dem Verein „Partnerschaft am Friedhof“ zusammen. Hier haben sich Bestatter zusammengeschlossen und einen Sternengarten angelegt.

 


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